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Postbank erwartet Ölpreis bei 65 Dollar per Jahresfrist

28.05.2009

Mit zuletzt rund 60 Dollar je Fass hat sich der Preis für Brentöl seit seinem Tief Ende Dezember 2008 zwischenzeitlich fast wieder verdoppelt. Nach Ansicht von Postbank Research erfolgte der Preisschub der letzten Wochen aber auf einer fragwürdigen Basis: Die globale Ölnachfrage ist nach wie vor schwach, und die freien Förderkapazitäten sind ebenso wie die Öllagerbestände auf hohem Niveau. Mit einer nachhaltig festeren Tendenz des Ölpreises rechnen die Volkswirte der Bonner Bank deshalb erst auf Jahressicht, wenn angesichts einer lebhafteren Konjunkturentwicklung wieder die Ölangebotsseite und damit Ängste über künftige Ölknappheit in den Vordergrund rücken. Auf Sicht von zwölf Monaten erwarten sie einen Preis von 65 Dollar je Fass - mit Tendenz nach oben.

Ölnachfrage eingebrochen und zunächst schwach

Nach Ansicht der Postbank Volkswirte rechtfertigen die fundamentalen Daten vorerst keinen deutlicheren Anstieg des Ölpreises. Die durch die Finanzmarktkrise verstärkte konjunkturelle Baisse und die entsprechend sinkende Nachfrage nach Erdöl haben den Preis für das schwarze Gold seit dem Allzeithoch von Juli 2008 in den Keller gehen lassen. Im laufenden Jahr wird die globale Nachfrage nach dem wichtigen Rohstoff deutlich stärker sinken als 2008.

Inzwischen gibt es zwar immer mehr Anzeichen dafür, dass das Konjunkturtal global durchschritten ist. Gleichwohl sinkt die Wirtschaftsleistung gerade in den Industrieländern immer noch bzw. wird im laufenden Quartal bestenfalls stagnieren. Für den weiteren Jahresverlauf rechnet die Postbank mit einer nur moderaten Belebung der Konjunktur in den USA, der Eurozone und Japan. Dies dürfte die Ölnachfrage vorerst dämpfen. Trotz einiger Anzeichen dafür, dass vor allem das große chinesische Konjunkturpaket bereits Wirkung zeigt, spricht gegen einen Durchmarsch des Ölpreises aber auch der momentan noch hohe Lagerbestand an dem Rohstoff, der zunächst abgebaut werden müsste, um den Weg für einen nachhaltig stärkeren Ölpreis zu ebnen.

Knappes Ölangebot eher längerfristig ein Problem

Längerfristig könnte die jüngste Rezession aber durchaus die Saat für einen größeren Angebotsengpass legen. Denn im Zuge der Finanzmarktkrise sind die Investitionen in die Ölexploration, in die Ölförderung bzw. in die -weiterverarbeitung zurückgestellt worden. Die Zahl der weltweit in Benutzung befindlichen Bohrinseln ist im Verlauf eines Jahres um rund ein Drittel auf 2055 im April gefallen. Die Internationale Energieagentur spricht von um 15 bis 20 Prozent verringerten Investitionen in diesem Jahr. Wenn die globale Ölnachfrage wieder etwas deutlicher anzieht, was vor 2010 nicht zu erwarten ist, dürften Knappheitsängste wieder stärker in den Fokus rücken und ein, wenn nicht gar der treibende Faktor für den Ölpreis werden. Die Rolle von Spekulanten ist dabei umstritten. Vermutlich verstärken sie ohnehin eingeschlagene Preistrends.

War in den vergangenen Wochen mit Blick auf die Positionen der Spekulanten am Markt eher eine Unentschlossenheit darüber festzustellen, in welche Richtung die Reise gehen könnte, haben aktuell die Wetten auf steigende Preise wieder zugenommen.

Zur Webseite von Postbank...


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